eTourEurope 2015 | Team Electrify-BW

Vorwort

 

Die eTourEurope ist eine Wettfahrt mit Elektroautos durch Mitteleuropa – von Paris bis Budapest und von Basel bis Hamburg. Ich durfte vier Tage lang als Mitglied des Teams „Electrify-BW“ an diesem Abenteuer teilhaben. Unser Team setzte sich aus Ute Wolfangel („Newslab“ - Leben mit der Energiewende), Stefan Krüger (Ingenieur der Energieeffizienz), Felix Uhlmann (Student und Mitglied im Jugendbeirat für Nachhaltigkeit) und mir, Robin Engelhardt (Gymnasiast) zusammen. Wir fuhren in Stefans Renault Zoe, einem Stadtauto mit 330l Kofferraumvolumen und 120-150km Praxisreichweite. Die komplette Tour war etwa 4500km lang, der Abschnitt auf welchem ich dabei sein durfte war ca 2000km lang.

 

 

 

13.05.2015

 

Nach der Schule brachten meine Eltern mich zum Stuttgarter Hauptbahnhof (Natürlich mit unserem Elektroauto!). Mit dem ICE ging es nach Hannover und von dort mit der Regionalbahn nach Bremen. An dieser Stelle ein Lob an die Bahn – Ich bin pünktlich in Bremen angekommen. Vom Bremer Hauptbahnhof machte ich mich auf den Weg in Richtung Stadtwerke, wo mich auf halber Strecke Ute, Stefan und Felix herzlich in Empfang nahmen. Auf dem Gelände der Stadtwerke war ein sogenannter „eMeetingpoint“, hier trafen sich alle Teams um ihre Fahrzeuge aufzuladen. Wie alle anderen auch machten wir uns nach kurzer Zeit auf zum Hotel.

 

Nachdem wir dort unser Zimmer bezogen hatten sind wir in der abendlichen Altstadt Bremens spazieren gegangen. Dort mussten wir natürlich die Bremer Stadtmusikanten fotografieren. Auf unserem Weg durch die Altstadt entdeckten wir eine urige Seemannskneipe, in der wir ein paar Minuten verweilten. Nachdem jeder sein Glas leergetrunken hatte, begaben wir uns zurück zum Hotel. Nächster Programmpunkt war das Briefing mit anschließender Ehrung des Tagessiegers. Wir waren tatsächlich Tagesbester. Ich war dann um kurz nach Elf doch relativ müde, so ging ich schlafen, während meine Teamkollegen sich noch einmal in Bremen umsahen.

 

 

 

 

 

14.05.2015

 

Der sechste Tag der Tour war für mich der erste Tag an dem ich tatsächlich im Team mitgefahren bin. Wir sind um kurz nach acht in Richtung Hamburg gestartet. Auf dem Weg dorthin legten wir einen Ladehalt im Gasthaus „Kiekeberg“ ein. Neben den Teilnehmern der eTourEurope besuchten uns auch einige Elektrofahrer aus der Umgebung. Ute führte ein Interview mit einer jungen Familie, die ebenfalls Elektroauto fährt, Stefan demonstrierte seine Volkswallbox und Felix und ich begutachteten die Autos. Kurz bevor wir weiter gefahren sind, kam sogar ein elektrischer Porsche auf den Platz gefahren. Sein Besitzer hat ihn selbst umgebaut, die Reichweite liegt bei etwa 160km.

 

Nach einer kurzen Fahrt trafen wir dann am Velux Lichtaktivhaus in Hamburg ein. Das Lichtaktivhaus war mal ein ganz normales Einfamilienhaus aus den 50ern, nach einer Sanierung ist es ein EnergiePlus-Haus. Es erzeugt alles seine benötigte Energie mit Solarstrom und lädt überschüssige Energie in ein Elektroauto. Das Haus ist keineswegs ein trockenes Forschungsprojekt – Im Gegenteil, es wird von einer 4-köpfigen Familie bewohnt.

 

Das nächste Ziel hieß Ludwigslust. Auf dem Weg dorthin verließ uns Felix leider uns fuhr mit der Bahn von Hamburg zurück nach Stuttgart. In Ludwigslust schafften wir eine Punktlandung, die Ladung des Akkus hätte vielleicht noch für ein paar hundert Meter gereicht. Wir setzten uns zur Überbrückung der Ladeweile in ein Café. Die letzte Etappe dieses Tages ging nach Berlin. Die Strecke führte allerdings durch die totale Ladewüste, die einzige Steckdose weit und breit war bereits von einem anderen Team belegt. Auf gut Glück fuhren wir also von der Autobahn ab into the middle of nowhere. Tatsächlich fanden wir eine hilfsbereite Familie, uns Strom spenden wollte. Voller Euphorie fuhren wir in den Garten, wo uns der Großvater sofort die Steckdose zeigte. Juhu, Drehstrom! dachten wir. Leider kam wenige Sekunden später die Ernüchterung: Die Steckdose stammt noch aus DDR-Zeiten, darum fehlte der Nullleiter und das mögen Elektroautos nicht. Daraufhin bekamen wir die Anregung mal im Feuerwehrhaus nachzufragen, dummerweise hatten die just in diesem Moment einen Einsatz. Wir wurden nun noch auf ein Getränk eingeladen und plauderten ein bisschen mit der netten Familie. Falls Ihr das hier lest, nochmal recht herzlichen Dank!

 

Nach einer halben Stunde fuhren wir wieder zurück in Richtung Autobahn und diesmal hatten wir Glück: Die Steckdose war frei. Wir konnten nun endlich laden und hatten nach einer Stunde genug Strom für die restliche Strecke nach Berlin.

 

In Berlin machten wir noch schnell ein paar Fotos am Brandenburger Tor und fuhren dann zum Hotel.

 

 

 

 

 

 

 

15.05.2015

 

Strategiewechsel. Aufgrund der gestrigen Erfahrung wollten wir heute unbedingt vor allen anderen an einer Ladestation sein. Außerdem bekommt das Team mit der frühesten Startzeit 20 Minuten Zeitbonus – den wollten wir heute einstreichen. Wir packten uns am Buffet schnell ein paar Brötchen ein und fuhren um Punkt sieben Uhr nach Cottbus zur Technischen Universität. Diese stellte Lademöglichkeiten in Hülle und Fülle zur Verfügung. Außerdem machte eine Reporterin der Uni ein Foto von unserem Team und interviewte mich.

 

Ute und Stefan unterhielten sich mit anderen Fahrern, während ich das Pedelec für mich entdeckte und einige Runden um den Campus drehte. Als letzter Programmpunkt in Cottbus stand ein Gruppenfoto an, danach ging es nach Dresden.

 

In Dresden waren neben den Teilnehmern der Tour auch Stände von Audi, BMW, Renault und Mercedes aufgebaut. Ute half bei der Organisation von „1000 EVs in Motion“. Bei diesem Event ging es darum, jedem Elektroauto, das einen eMeetingpoint besucht hat, bekommt eine Nummer. Ziel ist es insgesamt 1000 Elektroautos in Bewegung zu versetzen.

 

Stefan ließ sich von einer alten Freundin und ihrem Lebensgefährten Dresden zeigen.

 

Und ich bin zu BMW gegangen und hatte mit dem „Product Genius“ ein interessantes Gespräch:

 

Robin: „Euer i3 ist ja ein schönes Auto, wir hätten fast einen gekauft, warum baut ihr den keine vernünftiges Ladegerät ein?“

 

Product Genius: „Was ist denn daran unvernünftig?“

 

R: „Er lädt nur einphasig.“

 

PG: „Das ist doch vernünftig.“

 

R: „Nein, vernünftig wäre ein dreiphasiges Ladegerät.2

 

PG: „Aber gibt ein Deutschland keine dreiphasige Ladeinfrastruktur.“

 

R: „Unser Stromnetz ist dreiphasig, in Stuttgart gibt es sogar schon 300 Ladestationen und Sie möchten mir sagen, dass das keine Infrastruktur ist?“

 

PG: „Wissen Sie, wenn Sie BMW nicht mögen können Sie ja gehen. Ich bin auch nicht für die Entwicklung zuständig.“

 

Ein nebenstehender BMW Fan gibt noch den Kommentar ab: „Jedes Mal zum Laden nach Stuttgart fahren ist ja auch doof!“

 

(Anmerkung: Ein BMW i3 muss wegen seines Ladegeräts an einer Drehstromsteckdose mindestens 3,5 Stunden laden, der Renault Zoe braucht gerade einmal eine Stunde, bei gleicher Reichweite)

 

Ich ging kopfschüttelnd weiter zu Audi, hier bot sich ein ähnliches Trauerspiel: Eine Frau, die gerade Luftballons mit Helium füllte, wollte mir erklären, das ein Hybrid das Beste aus zwei Welten ist. Ich habe ihr dann von Tesla erzählt, worauf sie mich etwas verwirrt anschaute und fragte: „Was ist denn ein Tesla?“ Ich ergriff die Flucht.

 

Nachdem unser Team wieder vollzählig am Auto war, haben wir uns auf den Weg nach Melnik in Tschechien gemacht. Dort wurden wir vom Bürgermeister empfangen, danach führte uns ein Teilnehmer der Tour zu seinem Geburtshaus.

 

Nach einer Ladepause in Melnik machten wir uns auf den Weg nach Prag. In Prag machten wir mit unseren Autos ein paar Fotos vor dem Rudolfinum, dann ging es ins Hotel.

 

 

 

 

 

 

 

16.06.2015

 

Dieser Tag war ein besonderer, denn wir fuhren durch drei Länder: Tschechien, Slowakei und Österreich. Die Fahrzeuge mit einer Reichweite über 250km machten sogar noch einen Abstecher nach Budapest und fuhren damit 800km.

 

Unser erstes Etappenziel für diesen Tag war die Internetfirma „Netdatacomm“ in Brno/Brünn. Der Weg dorthin führte durchs ladetechnische Niemandsland. Um eine der zwei Steckdosen zu ergattern, starteten wir erneut zeitig. Der Ladestopp funktionierte problemlos, danach ging es weiter zu Netdatacomm. Einerseits um Strom zu sparen und andererseits der Landschaft wegen fuhren wir über Land. Ungefähr auf halber Strecke entdeckten wir einen idyllischen See, wo wir eine kleine Pause einlegten. Ute sprang sofort ins Wasser, Stefan und ich zogen es vor am Ufer stehen zu bleiben. Bei Netdatacomm gab es Gegrilltes und eine Lademöglichkeit.

 

Mit äußerster Sparsamkeit schafften wir die 143km lange Strecke von Brno/Brünn nach Bratislava ohne einen Ladehalt. In Bratislava kamen recht wenig Passanten um sich die Autos anzusehen, dafür drehte das slowakische Fernsehen.

 

Nun hatten wir noch die Fahrt in die Österreichische Wachau vor uns. Eigentlich wollten wir in Wien bei Burger King an einem Schnelllader in einer halben Stunde vollladen, unglücklicherweise hatten wir keine passende Chipkarte. Wir haben es dann aber doch noch mit ach und Krach zu einer anderen Ladestation geschafft. Am späten Abend kamen wir schließlich in Krems an der Donau an, wieder auf den letzten Kilometer Ladung.

 

Während die meisten Teams und auch Ute und Stefan in eine Wirtschaft einkehrten, blieb ich im Hotel und wollte nur noch schlafen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17.05.2015

 

Am neunten Tag der eTourEurope ging es zurück in die Heimat. In Krems an der Donau war heute aufgrund des „Ironman“ eine Bundesstraße gesperrt, deshalb mussten wir einen Umweg fahren. In Linz stieg an diesem Tag ein besonderes Event: Die größte Elektroautoparade der Welt. Nachdem wir in Linz angekommen waren und geladen hatten, reihten sich mehrere Hundert Elektroautos in eine Reihe und einige Kilometer durch Linz. Die Parade war für uns eine besondere Erfahrung. Während bei Oldtimerausfahrten die Freude am Automobil stets mit Gestank und Lärm verbunden ist, war es dank unserer Parade Mucksmäuschenstill.

 

Die Parade hatte für die Teams leider einen Nachteil. Die Massen an Elektrofahrzeugen haben jede Ladestation belegt. Wir mussten also bei einem Bauern um Strom bitten. Dieser zeigte sich hilfsbereit und zeigt uns seine Steckdose. Diese war allerdings zu schwach abgesichert, sodass nach einer Minute laden die Sicherung flog und mit ihr die Melkmaschine natürlich auch eine Pause einlegte. Das Problem war aber schnell behoben und so luden wir dann mit reduzierter Leistung.

 

Nun hatte ich aber ein kleines Problem: Ich musste am Montag wieder in die Schule und wenn ich meinem Zug in München verpassen würde, hätte ich ein Problem. Die DB App zeigte mir an, dass in fünf Minuten der letzte Zug nach München losfahren würde. Wir unterbrachen den Ladevorgang schnell, Stefan fuhr mich zum Bahnhof, ich schnappte hastig meine Sachen und sprang gerade noch rechtzeitig in den Zug. Ich erreichte in München meinen ICE und kam rechtzeitig daheim an, um am Montag wieder in die Schule zu gehen. Währenddessen kamen Ute und Stefan gegen Abend auch in München an und gingen als Abschluss noch mit ein paar anderen Teams essen. Gegen sechs Uhr morgens waren dann auch Ute und Stefan wieder zu Hause.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

 

Die eTourEurope war für uns alle ein besonderes Erlebnis. Wir sind eine gigantische Strecke in sehr kurzer Zeit gefahren und haben so bewiesen, was Elektroautos schon heute können. Wir haben erfahren, dass man mit Elektroautos gut voran kommt – man braucht nur etwas mehr Zeit. Genau das entschleunigt jedoch auch. Man lernt die Gegend durch die man fährt besser kennen und trifft beim Laden immer wieder interessante Menschen. Ich bin froh, dass ich beim Team Electify-BW dabei sein durfte und wir alle freuen uns schon auf die nächste eTourEurope!

 

 

 

Robin Engelhardt